Social Media im Personalbereich

Am Thema Social Media kommt man aktuell kaum vorbei, unabhängig davon, ob man will oder nicht. Wie immer, wenn etwas Neues auftaucht, kristallisieren sich dazu sehr schnell zwei Meinungslager heraus, die in heftigem Widerspruch zueinander stehen. Auf der einen Seite finden sich die Euphorischen, die gerne regelmäßig einen neuen Trend entdecken und gleich eine Revolution vorhersagen, die keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Demgegenüber stehen die Skeptiker, die Trends und Moden verabscheuen, grundsätzlich alles erst einmal abwarten, und nach Möglichkeit weiter machen wollen, wie bisher. Und so scheiden sich auch am Thema Social Media die Geister. Doch wie immer, wenn zu einer neuen Entwicklung Extrempositionen formuliert werden, entsprechen diese nicht der praktischen Realität. Die dazwischenliegende Realität herauszufinden und sich an ihr zu orientieren ist die praktische Aufgabe – unter anderem auch für Personalverantwortliche.

Die Euphorischen können zweifelsohne mit dem Argument punkten, dass Social Media ein existierendes Massenphänomen ist, das für die Zukunft nur noch schlecht wegzudenken ist. Und natürlich verändert ein neues Medium auch die Nutzungsgewohnheiten und im Laufe der Zeit möglicherweise sogar einen gewissen Teil des Alltagslebens. Die Frage lautet: In welchem Umfang, und nach welchen Regeln? Oft spielt den Euphorischen die eigene Phantasie dabei einen Streich, Hoffnungen und Wünsche werden zum Bestandteil der Analyse und Prognose gemacht. Man denke nur zurück an die Entstehungszeit des Portals „Second Life“, einer virtuellen Welt, in der angeblich irgendwann einmal die ganze reale Welt sich widerfinden sollte. Einzelne Unternehmen wollten gleich zu Beginn auf der vermeintlich großen Welle reiten und haben dafür tief in die Tasche gegriffen.

Heute befinden sich die Nutzerzahlen des Systems im Bereich eines durchschnittlichen Online-Computerspiels. Sicher, auch hier findet man seine Zielgruppen, auch hier kann Präsenz interessant sein, doch die ursprünglich exorbitanten Investitionskosten stehen für viele Unternehmen nicht im Verhältnis zum tatsächlichen Ertrag.

Solche Beispiele sind Wasser auf die Mühlen der Skeptiker. Oft sehen Sie in den vielen Verschiedenen Neuerungen der digitalen Welt generell nichts anderes als Spielereien. Und verbergen hinter einen solchen Haltung möglicherweise die eigene Veränderungsscheu, die mitunter auch aus einer Unkenntnis der neuen Medien resultiert. Man beschäftigt sich nicht gerne mit diesen Entwicklungen, wartet erst einmal ab – und gerät dann möglicherweise irgendwann ins Hintertreffen. Das ist das Risiko, dem Skeptiker immer ausgesetzt sind. Oft wird dann noch versucht, ohne eigene erworbene oder aufgebaute Kompetenz auf den fahrenden Zug aufzuspringen, und dabei passieren dann in der Hektik noch die schlimmsten Fehler.

Das Feld der neuen Medien ist vielfältig. Die richtige Einordnung des Phänomens Social Media ist also die Grundlage für den sinnvollen und nutzbringenden eigenen Umgang damit. Sicher ist schon heute: die Zahl der definierbaren Zielgruppen hat sich ebenso drastisch erhöht wie die Zahl der dorthin führenden Kanäle. Der klassische Kommunikations-Mix sieht heute anders aus als noch vor 15 Jahren. Wer alle Kanäle abdecken will, stößt schnell an die Grenzen seiner Ressourcen – finanziell und zeitlich. Für Personaler gilt deshalb als grobe Faustregel: Auf den wesentlichen Feldern mitspielen, alle anderen nur im Bedarfsfall betreten. Die Präsenz auf XING und teilweise existierenden fachlichen Portalen und in Foren gehört mittlerweile für viele Unternehmen zum Standard. Zumal sich hier auch der am schnellsten zu realisierende Nutzen einstellt: der gesteigerte Rekrutierungserfolg. Denn nicht zuletzt bewegen sich die meisten Menschen dort, weil sie von anderen  – einschließlich potenzieller neuer Arbeitgeber – gefunden werden wollen. Und gerade für die Rekrutierung ist das Internet mit seiner Schnelligkeit und möglichen Streuwirkung prädestiniert. Leicht lässt sich ein Link an Freunde und Bekannte weiterversenden, für die eine Stellenausschreibung von Interesse sein könnte. Teilen und Mitteilen ist das Prinzip der Social –Media-Welt. Und wer geschickt vorgeht kann leicht eine kleine digitale Kettenreaktion auslösen, und so die Zugriffszahlen auf die eigene Karriereseite und Stellenanzeigen deutlich steigern.

Damit wird auch die unmittelbare Verbindung des Themas Social Media zu einem weiteren wichtigen Personaler-Thema deutlich. Im Internet findet heutzutage ein wesentlicher Teil der Markenbildung statt, und damit auch der Gestaltung einer Arbeitgebermarke. Selbst wer in seinem Unternehmen noch niemals mit dem Begriff der Arbeitgebermarke konfrontiert war. Kann dennoch die Spuren des Unternehmens im Internet verfolgen. Versetzt man sich einmal in die Rolle eines informationsbedürftigen Bewerbers hinein und versucht, sich systematisch und aus einer Vielzahl möglicher Quellen über das eigene Unternehmen als Arbeitgeber zu informieren, ist man oft erstaunt über die Unterschiedlichkeit der erhältlichen Informationen. Dabei stehen den vergleichsweise statischen Informationsquellen wie eine Unternehmens-Homepage oder ein Wikipedia-Eintrag immer mehr dynamische Quellen wie Foren und Portale gegenüber. Hier beeinflusst eine Vielzahl von Nutzern mitunter tagesaktuell das Bild eines Unternehmens als Arbeitgeber neu. Und genau hier lässt sich Social Media wunderbar zur planmäßigen Gestaltung der eigenen Arbeitgebermarke nutzen. Wer hier wahrgenommen werden will, muss Informationen liefern und positiv wahrnehmbar sein.

Lehrgeld haben die ersten Unternehmen schon bezahlt, die der Meinung waren, diese positive Wahrnehmung durch bestellte und bezahlte positive Beiträge und durchschaubare Lobhudeleien auf das eigene Haus herstellen zu können. Sie sind an einer Fehleinschätzung gescheitert, man könne im Internet beliebig schalten und walten. Tatsächlich hat die Social-Media-Welt aber ihre eigenen Regeln. Eine davon lautet: Das Netz ist transparent. Wer Informationen nicht seriös einspeist, wird mitunter sehr schnell als Hochstapler entlarvt. Aber nicht nur das. Die Information darüber geht in das unendliche Gedächtnis der digitalen Welt ein und wird immer wieder aufs Neue, auch nach Jahren noch abrufbar sein. Ein Veispiel dafür, was man also nicht machen sollte.

Machen sollte man dennoch etwas. Denn Social Media wird für die Zukunft fester Bestandteil der Personalarbeit werden. Den Umgang mit dieser neuen Welt müssen sich viele Personaler allerdings noch aneignen. Die eigenen Zielgruppen zu finden, die eigen Arbeitgebermarke auch Internet-fähig aufzubereiten, kommunizierbar zu machen, regelmäßig mit Leben zu füllen und dabei den Tonfall der Netzwelt zu treffen, so lauten die Herausforderungen. Wer sich dem Thema Social Media frühzeitig, systematisch und rational nähert, wird sehr schnell die ersten Früchte ernten können. Noch bedeutender aber wird der langfristige Ertrag sein.

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