Der Mitarbeiter, das unbekannte Wesen

Den tatsächlichen Wert eines Mitarbeiters erkennen manche Unternehmen erst dann, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Dann zeigt er sich aber sehr deutlich in Euro und Cent. Denn leistungsstarke Mitarbeiter gleichwertig zu ersetzen, kann buchstäblich schnell ins Geld gehen. Es fängt an bei den Kosten für die Rekrutierungsmaßnahmen des Nachfolgers oder der Nachfolgerin. Dazu kommen mögliche Ausfallzeiten bis zu einer Neubesetzung und möglicherweise ein verändertes Gehaltsniveau. Am Ende steht zudem das wirtschaftliche Risiko einer Fehlbesetzung. Und das sind nur die betriebswirtschaftlich erfassbaren Dimensionen. Nicht genau zu ermitteln, aber nicht minder zu bedenken sind solche Faktoren wie die Irritationen oder Störungen der Harmonie im Team.

Dabei fällt noch etwas anderes auf: Oft wissen Unternehmen gar nicht, warum Mitarbeiter ihnen den Rücken kehren. Die Ursachen für eine solch ungewollte Trennung dann auch noch alleine beim ehemaligen Mitarbeiter zu suchen, bildet den Abschluss eines Umgangs mit Mitarbeitern, der von großer Unkenntnis über Bedürfnisse und Motivationen geprägt ist. Doch genau so ist es vielfach in der Praxis: Für die Unternehmen ist der einzelne Mitarbeiter oft ein unbekanntes Wesen.

Nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels sollte eine vernünftige Personalpolitik dies schnellsten ändern. Und in Zeiten zunehmender Engpässe bei der Rekrutierung beschäftigen sich deshalb immer mehr Unternehmen mit einer neuen Zielgruppe – den eigenen Mitarbeitern.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Wer Mitarbeiter an sich binden kann, muss weniger suchen. Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation gehen häufig Hand in Hand. Höhere Identifikation führt zu höherer Leistungsbereitschaft, verringert den Krankenstand und strahlt ebenso Wirkung auf Kunden aus. Und selbst bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter spielt die Zufriedenheit der Belegschaft eine Rolle. Denn zufriedene Mitarbeiter sind die besten Werbeträger eines Unternehmens. Umgekehrt sind Unzufriedenheit und Demotivation der Mitarbeiter einem Unternehmen nicht nur auf Kundenseite anzumerken. Im Zeitalter des Internets bleiben solche Faktoren auch potentiellen Bewerbern nicht verborgen.

Unternehmen, die leistungsstarke Mitarbeiter dauerhaft an sich binden wollen, beschäftigen sich deshalb systematisch und strukturiert mit den Bedürfnissen, Erwartungen und der Wahrnehmung ihrer Belegschaft. Die Grundlage zur Steigerung der Mitarbeiterbindung bilden dabei fundierte Analysen wie beispielsweise Mitarbeiterbefragungen. Und mit gutem Grund beauftragen Unternehmen externe Dienstleister mit solchen Aufgaben. Denn wo noch nie eine Mitarbeiterbefragung stattgefunden hat, wittern Arbeitnehmer in aller Regel nichts Gutes. Die Bereitschaft, dem eignen Arbeitgeber selbst in anonymisierten Verfahren offen Auskunft zu geben, ist dabei deutlich geringer als bei neutralen Dritten. Auch ein gewisses Know-how mit der richtigen Fragestellung und im Umgang mit statistischen Effekten gehört zu einer soliden Mitarbeiterbefragung. Wer solche Befragungen regelmäßig durchführt, verfügt zudem im Laufe der Zeit nicht nur über ein hervorragendes Einschätzungsvermögen, sondern auch über eine breite und aussagekräftige Datenbasis, die Vergleiche zwischen Abteilungen, Unternehmen und Branchen zulässt.

Ziel einer Mitarbeiterbefragung sollte es sein, nicht nur das aktuelle Maß der Zufriedenheit zu erfragen, sondern mit den der Analyse in die Tiefe zu gehen. Was ist es konkret, was Mitarbeiter im Unternehmen motiviert und zufrieden stellt oder demotiviert und möglicherweise irgendwann vertreibt? As wünschen sich Mitarbeiter für die Zukunft in Ihrem Unternehmen und welche Ideen und Vorschläge können sie auch selbst mit einbringen. Auch bei der Entwicklung einer attraktiven Arbeitgebermarke ist das Selbstbild des Unternehmens sowie das Image des Arbeitgebers bei seinen Mitarbeitern eine wertvolle Erkenntnis, die sich mit Leichtigkeit intern gewinnen lässt.

Aus den vielfältigen Ergebnissen, die sich mit internen Analysen und Mitarbeiterbefragungen generieren lassen, ergeben sich manchmal fast zwangsläufig die ersten konkreten und kurzfristigen Maßnahmen für die Steigerung der Mitarbeiterbindung. Manchmal ist schon mit einer verbesserten internen Kommunikation viel gewonnen. Mitarbeiter die sich besser informiert fühlen, die vielleicht sogar die Möglichkeit haben, sich kontinuierlich intern einzubringen, bauen eine stärkere Bindung auf. Mitarbeiter kennen meist auch die Schwächen des eigenen Unternehmens am besten. Sie wissen oft, warum Kunden unzufrieden sind, ohne dieses Wissen im Unternehmen für Veränderungen zur Verfügung zu stellen. Wo aber Unzufriedenheit von Seiten der Kunden ins Unternehmen getragen wird, ohne dass die Mitarbeiter an den Ursachen etwas ändern können, entsteht schnell auch bei Mitarbeitern Unzufriedenheit. Und so ergänzt am Ende die Mitarbeiterbefragung den Kreis der entscheidungsrelevanten Informationen, und ergänzt das Wissen um die eigen Strategie, die Lage des Wettbewerbs und die Bedürfnisse der Kunden. Gleichzeitig wird der Mitarbeiter zum beachteten, geschätzten und damit erst wirklich wertvollen und wertbeitragenden Bestandteil des Unternehmens, und bleibt mit seinen Gefühlen, Motivlagen und seiner subjektiven Wahrnehmung nicht länger das unbekannte Wesen.

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