Statement „Anonyme Bewerbungen“

Yvonne Wasner, advalueMEDIA GmbH

Trotz Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in 2006 bestehen tatsächlich nach wie vor Benachteiligungen in Bezug auf Alter, Geschlecht, Religion, Rasse, ethnische Herkunft, Behinderung und sexueller Identität. Aus diesem Grund hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Pilotprojekt „Anonyme Bewerbungen“ initiiert. Seit Herbst 2010 testen das Familienministerium und die fünf Unternehmen L´Oréal, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Procter & Gable und MyDays verschiedene Bewerbungsverfahren, bei denen das Alter, Geschlecht, die Herkunft und die äußere Erscheinung des Bewerbers für den Personalentscheider im ersten Schritt verborgen bleiben sollen. Ähnliche Projekte gab es auch schon in Frankreich, Schweden und in der Schweiz. In den Vereinigten Staaten ist die gesichtslose Bewerbung bereits seit den 1960er Jahren Gang und Gebe. Jedoch herrscht in den USA eine ganz andere Personalsituation als in Deutschland, so dass man die Vereinigten Staaten wohl nicht zum Vergleich heranziehen kann.

Zu dem Thema „anonyme Bewerbung“ bestehen unterschiedliche Meinungen. Positiv anzumerken ist, dass ältere, behinderte, ausländische, weibliche oder weniger attraktive Menschen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, die mit der bisherigen Methode eventuell gleich zu Beginn aussortiert worden wären.  Inwieweit sie dann in dem Gespräch überzeugen können, hängt wiederum von der persönlichen Beurteilung des Personalers ab sowie natürlich auch von den Werten, Zielen und der Kultur des Unternehmens.

Insbesondere bei Positionen, für die das Alter, der Name, das Geschlecht und/oder das Erscheinungsbild des Kandidaten relevant sind, ist es für den Personalverantwortlichen sehr schwierig, die geeignete Person im Rahmen eines anonymen Bewerbungsverfahrens zu finden. Die anfängliche Anonymität zwingt den Personaler dazu, die fehlenden Basisfakten auf andere Weise zu ermitteln oder aufgrund offener Angaben im Lebenslauf zu vermuten. Dabei könnten falsche Rückschlüsse gezogen werden. So ist es abzusehen, dass viele überflüssige Bewerbungsgespräche geführt werden müssen und der gesamte Bewerbungsprozess viel mehr Zeit und Kosten in Anspruch nimmt.

Laut der Monster-Studie „Bewerbungspraxis 2011“ ist es für 47,6 Prozent der Arbeitnehmer wichtig, in einem Unternehmen zu arbeiten, das durch ethische Aspekte hervorsticht. Work-Life-Balance befindet sich mit 81,5 Prozent sogar an dritter Stelle auf der Wunschliste der Kandidaten. So liegt es in der heutigen Zeit des Fach- und Führungskräftemangels sowie der steigenden Nutzung von neuen Medien und sozialen Netzwerke im Sinne jedes Unternehmens als familienfreundlicher Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, der Gleichberechtigung und Chancengleichheit anstrebt. Auszeichnungen wie beispielsweise das Prädikat TOTAL E-QUALITY unterstreichen die Wichtigkeit dieser Werte für Arbeitnehmer und -geber.

Um die „besten“ Kandidaten gewinnen und halten zu können, bleibt es für Betriebe zukünftig nicht aus, den Begriff „Diversity“ fest in Ihre Unternehmenskultur zu verankern, entsprechend danach zu leben und zu handeln, und dies durch geschicktes Employer Branding nach außen zu kommunizieren, ob mit oder ohne anonyme Bewerbungsverfahren.

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